NACHTRAG: Dolomiten Skitour Tag 4 – Heiligkreuzkofel (2907 m) – Die Bakterien schlagen zu

Traumhafte, endlos weite Winterlandschaft, perfekte Bedingungen, doch plötzlich: Das schmackhafte Frühstück entwickelt einen unfassbaren Drang aus mir herauszuwollen – was folgt sind nicht nur die Mahlzeiten des Vortags, sondern wohl die schlimmsten Stunden die ich jemals auf einer Skitour erleben “durfte” 

Höhenunterschied: ca. 1000 hm
Länge: 14,9 km
Wetter und Verhältnisse: Strahlender Sonnenschein den ganzen Tag, am Gipfel windgepresster Neuschnee. Wunderbare, kuppierte Landschaft, leider spielte mir die Gesundheit einen Streich.
GPS Track DOWNLOAD: Download (rechte Maustaste – “Ziel speichern unter”)

Doch erstmal von Anfang an: Die Morgendämmerung empfahl sich wie am Tag zuvor mit bestem Skitourenwetter. Selbst der Mond schaute uns beim allmorgendlichen Kampf gegen die Müdigkeit zu, in seiner altbekannten, gelassenen Art und Weise.

Mond in den Dolomiten

Der morgendliche Blick aus dem Fenster mit glühenden Bergen und großer Mondscheibe lies die müden Beine schnell vergessen

Bereits am Vorabend hatten wir uns den Heiligkreuzkofel als Tourenziel ausgesucht. Alpinistisch nicht sonderlich schwierig, aber eine recht lange Tour in sehr welligem Terrain. Insgesamt also ein Vorhaben, das durchaus an den Kräften zehren kann. Der Aufstieg erfolgt fast direkt von der Faneshütte in eine traumhafte Hochgebirgslandschaft, die jedoch mit einigen kurzen Abfahrten und Gegenanstiegen auch ihre Tücken hat (und bei Nebel sowieso ein Tabu darstellt).

Morgendlicher Blick über die Lavarellahütte und ihre Nebenquartiere

Morgendlicher Blick über die Lavarellahütte und ihre Nebenquartiere

Blick in Richtung Neunerspitze

Blick in Richtung Neunerspitze(rechts) und Zehnerspitze (links)

Geniales, kuppiertes Gelände am Hochplateau unterhalb des Heiligkreuzkofels

Geniales, kuppiertes Gelände am Hochplateau unterhalb des Heiligkreuzkofels

Wir waren in der glücklichen Lage die erste Spur zu ziehen. Bei so einem Wetter und diesem Gelände eine ganz besondere Ehre

Wir waren in der glücklichen Lage die erste Spur zu ziehen. Bei so einem Wetter und diesem Gelände eine ganz besondere Ehre

Mir unbekannter, aber fotogener Berg im Aufstieg

Mir unbekannter, aber fotogener Berg im Aufstieg

Wir genossen jede Minute, zudem war es uns überlassen dieses wundervolle Gelände mit einer Aufstiegsspur zu versehen. Immer wieder folgte ein Blick zurück um das eigene Werk zu kontrollieren und sich darüber zu erfreuen. Bei gutem Wetter ist es hier wirklich schön, bei Nebel aber nahezu unmöglich zu navigieren, da die markanten Anhaltspunkte fehlen. Wir aber arbeiteten uns unter strahlender Ostersonne Meter um Meter in Richtung Gipfel. Bis zum Gipfelaufbau ist die Skitour eigentlich wirklich problemlos, nur der letzte Aufschwung muss mit etwas Vorsicht genossen werden. Hier sollten weder große Triebschneepakete herumliegen, noch ein Ausrutscher begangen werden. Der Gipfel selbst ist ein ganz besonderes Erlebnis: Auf der einen Seite welliges Tourengelände, auf der anderen eine (gefühlt) 1000 hm senkrecht abfallende Wand. Ich lade jeden dazu ein, bei Google nach Bildern vom Heiligkreuzkofel zu suchen 😉

Das Panorama vom Gipfek des Heiligkreuzkofels ist atemberaubend

Das Panorama vom Gipfel des Heiligkreuzkofels ist schlicht atemberaubend

GIpfelpanorama Heiligkreuzkofel

Wie immer in den Dolomiten wird man auf Schritt und tritt von skurrilen Felsformationen begleitet

Die Gipfelrast wurde wie die letzten Tage auch schon von schneidendem Wind begleitet, fiel aber dennoch recht lange aus. Die ersten 100 hm Abfahrt waren dann steil und um den Hang zu schonen fuhren wir einzeln ab. Wieder im welligen Gelände angekommen, fingen meine Kräfte an rapide zu schwinden. Zuerst glaubte ich an einen Hungerast, aber nachdem selbst ein Stück Schokolade nichts daran änderte und es mir immer schlechter ging konnte man den Braten schon förmlich riechen.  Ich schleppte mich irgendwie durch die (gefühlten) 50 Gegensteigungen und langsam wurde es immer schwerer den Mageninhalt in mir zu behalten. Mehrere km von der Faneshütte entfernt kam es wie es kommen musste (Details zensiert 😉 ) – ich war nur froh, dass ich es noch irgendwie zur Hütte zurückgeschafft habe.

Die folgenden 14 Stunden verwandelte sich mein Zimmer in eine Toilette und mein Polster zu einem Klodeckel. Wäre nicht ein Arzt unter den Hüttengästen gewesen, hätten wir wahrscheinlich die Bergrettung gerufen. Für den nächsten Tag wurde dann ein Taltransport organisiert und wir traten die Heimreise an – mit etwas mehr Zwischenstopps als gedacht 😉

Hier noch die gesammelten Eindrücke der ganzen Tour: